MacOS Snow Leopard als Trendsetter

Schon als Apple am 09. Juni 2008 auf der WWDC in San Francisco die Ankündigung machte, dass Snow Leopard keine neuen und auffälligen Features inne haben werde und sich lediglich auf die Betriebssystem Basis konzentrieren werde, um das Fundament für die Zukunft zu legen, vermutete ich bereits, dass man tatsächlich an etwas großem arbeite. In der Tat ließt sich die recht kurze Liste an geplanten Neuerungen in Snow Leopard wie ein Kriegsplan gegen jegliche Konkurrenz am Markt. Mich überraschte es unterdessen, dass die allgemeine und sehr positiv gestimmte Print- und Online-Presse die Schneekatze lediglich stiefmütterlich erwähnte und auch nur marginal auf die Features eingegangen ist… eher ein Schneekätzchen.

Tatsache ist, dass noch wenig über das System an sich bekannt ist. Zwar kursiert bereits eine Installations DVD im Internet, diese enthält allerdings noch eine frühe Beta des Systems und kann als wenig repräsentativ angesehen werden.

Die Neuerungen von MacOS SnowLeopard 10.6:

  • Ein echter 64bit Kernel und eine Unterstützung von bis zu 16TB RAM und 32bit CPUs
  • Systemweiter Support von Microsoft Exchange (Apple Mail, Adress Book, iCal)
  • Grand Central als Komponente/Technologie, die die Entwicklung von Programmen für Mehrprozessorsysteme sowie Multicoresysteme drastisch vereinfachen wird sowie die Leistung von Programmen auf jenen Systemen auf mehrere Prozessor Kerne verteilen kann.
  • OpenCL (Open Computing Language) als Technologie/Schnittstelle, um auf die Rechenleistung moderner GPU (Grafikkarten) zurückzugreifen
  • Quicktime X, welches die Technologie von Grand Central und OpenCL massiv unterstützen wird
  • Schlankere und an 64bit angepasste Applikationen (Safari 4 mit schnellster JavaScript Engine auf dem Markt)
Snow Leopard 64Bit Architecture

Snow Leopard 64Bit Architecture

Vor allem zwei Technologieen, bzw. Neuerungen sind meiner Meinung nach Killer-Features, deren Bedeutung derzeit noch unterschätzt wird: Grand Central und OpenCL. In Kombination sind diese zwei Elemente ein deutlicher Hinweis darauf, was uns in Zukunft an Performance erwarten kann. Für Entwickler und Programmierer wird es zunehmends schwerer Anwendungen zu entwickeln, die die gestellten Aufgaben/Rechenoperationen simultan aufteilen können (in mehrere Threads). Erst damit wird es möglich mehrere Prozessoren gleichzeitig zu beschäftigen. War es mit zwei Kernen/Prozessoren nocht relativ leicht, so steigt der Programmier-Aufwand bei 16 Kernen und mehr unproportional schnell an. GrandCentral soll hier Abhilfe schaffen und eine Grundlage für neue Hochleistungsprogramme werden. OpenCL hingegen wird es erstmals überhaupt in der Branche ermöglichen, auf einheitliche Schnittstellen (von Apple initierte Grundlage) zurück zu greifen, um die GPU einer Grafikkarte mit Rechenoperationen zu beschäftigen. Adobes Photoshop CS4 ist bereits in der Lage mit einer Grafikkarte die Bildberechnung bei einigen Filtern sowie beim Zoom drastisch zu beschleunigen und die Haupt-CPU eines Rechners zu entlasten. Grafikkarten sind morderne Hochleistungsrechner und was sie zu leisten vermögen, zeigte ich bereits in meinem H264 Encoding Test. Die erst kürzlich vorgestellten MacBook Pro Mobilrechner beherbegen gleich zwei Grafikkarten (Nvidia 9400M und 9600M GT) – unterstützen allerdings noch keine simultane Nutzung derer (nach langem Hin und Her nun doch von Nvidia bestätigt). Man kann damit rechnen, dass zwei Grafikkarten alsbald in allen HighEnd Rechnern bei Apple Einzug halten werden. Der Performance Gewinn durch eine Unterstützung seitens der GPU zeigt sich bereits jetzt (unter MacOS Leopard) beim Abspielen von Quicktime Videos in HD (siehe Link). Ein sehr kleiner Vorgeschmack auf die Leistung von SnowLeopard…

Ich bin gespannt was uns Apple im Laufe des kommenden Jahres präsentieren wird. Während sich Window 7 mit lächerlichen und sinnlosen (?) visual Effects beschäftigt (sehenswerte Präsentation als Video), setzt Apple Schritte für echte Innovationen. Wie schön wird es werden einen mehrstündigen Film als H264 Video für AppleTV innerhalb von wenigen Minuten zu exportieren, Aufwändige Cluster-Berechnungen in einem Bruchteil der Zeit zu erledigen, …

Über den Autor

Andreas Unterhuber studierte Wirtschatfsinformatik und ist seit 2007 Geschäftsführer der KIM Keep In Mind GmbH mit Sitz in Bozen. Mit seinem Fachwissen in Video Encoding, diverser Programmiersprachen sowie in Datenbanken und Serversystemen unterstützt er zahlreiche nationale und internationale IT Projekte.